Best of Fehler (1)

Wenn ich Deutschaufsätze korrigiere, mache ich es immer sehr gerne, dass ich nebenher sehr seltene Satzkonstruktionen oder Wortverwendungen der Schüler mitschreibe. Häufig lachen die Schüler darüber dann am meisten, weil sie gar nicht glauben können, dass sie so etwas geschrieben haben. Sie erhalten nämlich, bevor sie den Aufsatz zurückbekommen, ein DinA4-Blatt mit einem “Best of Fehler”, wo sie die richtige Variante dann jeweils darunter schreiben sollen. Ich weiß, dass die Überschrift meines Blattes eigentlich auch kein rechtes Deutsch ist, aber die Idee dieser Methode kam von meinem ehemaligen Englischlehrer und so zolle ich ihm quasi Tribut.

Jedenfalls steckt ein Teil meiner Schüler gerade in der Prüfungsvorbereitung für ihre Fachhochschulreife und da dachte ich, da ich ihnen das “Best of Fehler”-Blatt leider nicht mehr geben kann (wegen einer vermeintlichen Stundenplanänderung), dass ich hier nun in kleinen Etappen ein paar Auszüge veröffentliche.

Vielleicht kann es dem ein oder anderen Schüler doch noch helfen, seine Fehler für die Prüfung zu minimieren und vielleicht hilft es ja generell ein paar Leuten, die mit dem Aufschreiben so ihre Probleme haben. Und alle, die keine Prüfung vor sich haben, erwartet ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Oftmals lassen sich Fehler schon minimieren, wenn man sich Zeit nimmt, den Aufsatz noch einmal selbst Korrektur zu lesen.

Ich beobachte sehr häufg, dass das Aufschreiben eine ganz andere Problematik darstellt als das Sprechen. Es kann jemand ganz wunderbar Deutsch sprechen, aber beim Aufschreiben hat er dann Probleme.

Hier einmal ein kleiner Auszug – Fortsetzung folgt:

„Über die Bergarbeiten ist Hoffman zuständig.“

Richtig wäre: Für die Bergarbeiten ist Hoffmann zuständig.

 

„Doch manchmal zweifeln sich die beiden um ihre Gefühle.“

Sich um Gefühle herum zweifeln kann man nicht, obwohl es sich vielleicht manchmal anfühlt, als würde man sich beim Zweifeln im Kreis drehen. Richtig ist: Doch manchmal zweifeln die beiden an ihren Gefühlen.

 

„Loth war ihre einzige Hoffnung zum überlegen.“

Obiger Auszug ist ein klassischer Fall vom „Bloß-nicht-nochmal-durchlesen-was-ich-da-geschrieben-habe“. Gemeint ist natürlich nicht „zum überlegen“ – was man übrigens sonst auch groß schreiben würde – sondern „zu überleben“.

 

„… und was der Alkohol alles auswirken kann.“

Ja, hier war „bewirken“ gemeint.

 

„Helene & Loth“

Es ist mir ein Rätsel, warum es immer noch ein oder zwei Schüler gibt, die das manchmal falsch machen. Im Aufsatz schreibt man nie das Symbol „&“, sondern immer das Wort „und“ – außer vielleicht es kommt irgendwo als Firmenbezeichnung vor (z.B.: Schulze & Söhne).

 

„Loth möchte mit einer gesunden Frau heiraten.“

Naja, gehen würde das schon auch, aber Deutsch ist es halt nicht und das ist im Fach „Deutsch“ leider ein Problem. Richtig wäre: „Loth möchte eine gesunde Frau heiraten.“

 

„Loth wird aufdringlich und hält nicht locker.“

Halten und lassen, wer kann das schon auseinander halten? Es heißt natürlich: Loth wird aufdringlich und lässt nicht locker.

 

„Es war kein glückliches Familienleben, sondern eher ein unertragsames Leben.“

Gemeint ist hier ein unerträgliches Leben.

 

„Loth hat sie wegen dem Ideal sitzengelassen.“

Oh ja, das böse böse Ideal! Hat das Ideal doch glatt der Helene den Loth ausgespannt. Gemeint ist: Loth hat sie wegen seiner Ideale sitzen gelassen.

 

„Wenn man zusammenhält, kann man jeden Stein vom Weg schmeißen.“

Keine Ahnung woher diese neue Sprichwortkreation kommt. Ich dachte ja erst, es sei eine wortwörtliche Übersetzung aus einer anderen Sprache, aber die Schüler meinten, das würden sie in ihrer jeweiligen Sprache auch nicht kennen. Gemeint ist: Wenn man zusammenhält, dann kann man jedes Hindernis aus dem Weg räumen.

 

„Der Author…“

Hier kam etwas Englisch im Aufsatz vor. Im Deutschen: Der Autor.

 

„Helene verliebt sich in ihm.“

Ein Schelm, wer hier Böses denkt. Es heißt: Helene verliebt sich in ihn.

 

„Helene versucht alle Möglichkeiten und Konsequenzen aus Loth zu bekommen.“

Ja genau, was auch immer aus Loth rauszubekommen ist, das holt sich Helene – auch, wenn der Satz leider keinen Sinn macht und der Inhalt auch nicht ganz stimmt.

 

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