The Great Gatsby

Das ist tatsächlich der einzige Film, den ich zwei Mal im Kino gesehen habe. Einmal in Schwäbisch Hall – in der normalen Variante – und dann noch einmal in München. Und weil es München war und wir etwas übertrieben haben, wurde es ein imposanter Kinobesuch der Extraklasse.

Der Film war die Originalversion in Englisch und in 3D – das ist an sich jetzt noch nichts so Außergewöhnliches. Das Kino an sich hat dafür gesorgt.

Es war der Gloria Palast und damit eines der eindruckvollsten Kinos, die ich je gesehen habe: Kronleuchter überall, Begrüßungscocktail, rote Teppiche, Ledersessel, in die man sich legen konnte mit Ablagen für die Füße und Tischbrettchen an den Armlehnen, Kellner, die die Bestellungen vor Vorstellungsbeginn aufnahmen und einen Kinoleiter, der alle herzlich begrüßt, bevor nach einem Kurzfilm dann der eigentliche Film beginnt.

Alles in allem ein sehr dekadenter Kinobesuch, der zu den fantastischen Bildern und dem Flair der 20er Jahre im Film „The Great Gatsby“ gespasst hat. Mit knapp 20 Euro waren wir etwas über den Preis geschockt – aber der Kinobesuch hat sich dennoch auf jeden Fall gelohnt und der Gloria Palast in München ist für einen prunkvollen Kinobesuch wirklich zu empfehlen. Manche Kinobesucher, die etwas mehr wussten, was auf sie zukam, haben sich sogar im Stil der 20er Jahre gekleidet. Schee is gwen!

Um in diesem Flair zu bleiben braucht man nur diese zwei Lieder anhören und schon kann man etwas träumen:

 

Last Night

Der Spielfilm „Last Night“ mit Keira Knightley, Sam Worthington, Guillaume Canet und Eva Mendes ist ein sehr ruhiger Film, der einen etwa 48-stündigen Einblick in das Leben der vier Personen Johanna, Michael, Alex und Laura gibt.

Joanna (Joe) und Michael sind seit drei Jahren verheiratet und kennen sich seit dem College. Sie leben in einer gemeinsamen Wohnung in New York – er arbeitet in einem großen Unternehmen recht weit oben und sie schreibt freiberuflich Artikel für Modezeitschriften, will aber eigentlich ein zweites Buch schreiben und als Schriftstellerin ihr Geld verdienen.

Oben Alex und Joe / Unten Michael und Laura. (Mit freundlicher Genehmigung der NFP)

Alles beginnt damit, dass Joe und Michael auf eine Party eingeladen sind und so verhetzt dorthin aufbrechen, dass sie sich erst als sie aus dem Taxi wieder aussteigen, mit einem Kuss „hallo“ sagen. Der gesamte Besuch auf der Party wird mit bedeutungsschwangerer Musik unterlegt und es werden Szenen eingeblendet, die Joe aus dem Taxi starrend zeigen. Man weiß also schon, dass auf dieser Party etwas ins Rollen gebracht wird, was die nächsten 48 Stunden verändern wird. Tatsächlich lernt Joe dort dann zum ersten Mal Michaels neue Arbeitskollegin Laura kennen, die sehr attraktiv ist und, die er bisher nie erwähnt hat, obwohl sie schon drei Monate an einem Projekt zusammen arbeiten. Joe zweifelt daher daran, ob nicht schon etwas zwischen Michael und Laura gelaufen ist. Michael ist sich keiner Schuld bewusst, gibt aber – von Joe in die Ecke gedrängt – zu, dass er Laura durchaus attraktiv findet. Joe schläft daraufhin auf der Couch und Michael steht irgendwann mitten in der Nacht auf, um sich bei ihr zu entschuldigen, auch wenn er nicht genau wisse, für was. Eigentlich muss er schon um 8 Uhr morgens im Zug zu einer Besprechung sitzen – zu der auch Laura als seine Geschäftspartnerin fährt – dennoch bemüht er sich noch für Joe und sich Rühreier zu machen. Während dieses „Frühstücks“ um etwa 2 oder 3 Uhr morgens reden sie zum ersten Mal darüber, wie ihr Tag war und was es Neues gibt.

Als Michael dann morgens unter der Dusche ist, sieht man, wie Joe ihm einen Zettel in sein Hemd steckt – der Zuschauer und auch Michael wissen erst sehr viel später, dass sie sich darauf entschuldigt und zugibt, wohl überreagiert zu haben.

Während Michael nun im Zug zusammen mit Laura und einem weiteren Kollegen auf dem Weg zum Meeting ist, merkt man, wie Michael langsam vielleicht darüber nachdenkt, was es an Laura ist, das Joe so eifersüchtig gemacht haben und sie nur noch genauer ansieht.

Joe geht derweil ihren Pflichten am Tag nach – wäscht ab, räumt etwas auf und holt sich beim Bäcker einen Kaffee und was zu Essen. Bis dahin glaubt man, dass man wisse, wie der Film ausgeht. Doch dann trifft sie beim Herauskommen aus dem Bäcker einen alten Freund wieder – einen Franzosen namens Alex, bei dem man sofort merkt, dass die beiden wohl einmal mehr als nur Freunde waren. Er meint, er rufe sie später an, da er noch eine Besprechung habe und noch bevor sie sich fragen kann, wie verrückt das ist, ihn hier zu sehen, verabschieden sie sich auch schon wieder voneinander. Wieder daheim, macht Joanna weiter wie bisher, bis dann ihr Handy klingelt und „A“ als Anrufer ankündigt – ein Hinweis darauf, dass Michael von Alex wohl nichts weiß. In einem der unzähligen Bücher in der Wohnung hat Joanna auch Fotos von Alex aufgehoben – wohl in der sicheren Annahme, dass Michael nie dieses Buch lesen würde.

Der Film springt in Szenen zwischen dem Meeting von Michael und Laura und dem Treffen von Joe und Alex nun abwechselnd hin und her.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Joe sich für das Treffen mit Alex deutlich mehr Mühe gibt, was ihr Aussehen betrifft, als bei der Party am Anfang und sie hat im Umgang mit Alex deutlich mehr Schmetterlinge im Bauch. Zwischen Laura und Michael knistert es vielleicht nicht unbedingt, aber dennoch fühlen sich beide zu einander hingezogen und Laura beginnt Schritt für Schritt Michael in ihren Bann zu ziehen – allerdings ohne irgendwie großartig verführerisch zu agieren, sondern sie geht eben immer den nächsten Schritt und er geht mit. Zwischen beiden „Paaren“ kommt es irgendwann zum Kuss – bei Laura und Michael kurz und zögernd, bei Joe und Alex lang und leidenschaftlich. Man erfährt, dass Laura schon einmal selbst betrogen worden war. Dieser Mann war ihre große Liebe und sie blieben zusammen – sie meint, sie wäre mit ihm auch heute noch zusammen, wenn er nicht ein Jahr nachdem er sie betrogen hatte, gestorben wäre. Und auch, wenn er noch leben und sie noch zusammen wären, würde sie trotzdem mit Michael an dieser Stelle sein und sich zu ihm hingezogen fühlen.

Über Alex erfährt man, dass er Autor ist und gerade sein Buch vermarktet. Er und Joe waren vermutlich nicht einmal 100 Tage zusammen und es scheint so, als ob er nie mit der Freundin zufrieden ist, die er gerade hat, zumindest hängt er nicht besonders an der aktuellen. Joe stellt fest, dass eine Beziehung zwischen ihnen wohl nie funktionieren hätte können und sie beide nur die Vorstellung davon lieben. Der Verleger von Alex, ein charmanter Franzose, der dafür bekannt ist, seinem Gegenüber direkte Fragen zu stellen und nicht nur Alex Verleger, sondern auch ein sehr guter Freund von ihm ist, rät Alex irgendwann im Verlauf des Abends alles so zu lassen wie es ist. Als Begründung gibt er an, dass Alex Joe nie die gemeinsamen Jahre mit ihrem Ehemann nehmen könne – sie hätten so viel in diesen Jahren gemeinsam erlebt, von dem er nichts wisse – und sobald er versuchen würde den Platz ihres Ehemannes einzunehmen, wäre sie weg. Da es schade wäre, sie als Freundin zu verlieren, rät er, es so zu lassen.

Alex und Joe beim Tanzen auf dem Dach. (Mit freundlicher Genehmigung der NFP.)

Beide Paare landen um etwa dieselbe Zeit im Hotelzimmer – Joe bei Alex, Michael bei Laura. Während Joe Alex widersteht, weil sie Michael sonst nicht mehr in die Augen sehen könnte, schlafen Michael und Laura mit einander. Am nächsten Morgen ist bei Joe und Alex der Abschied tränenreich, während Michael den ersten Zug nach Hause nimmt, um Joe zu sehen.

Der Film thematisiert zwei Arten des Fremdgehens: Das emotionale und das körperliche Fremdgehen. Geurteilt wird im Film nicht, sondern es wird dem Zuschauer überlassen, welche Art er schwerer gewichtet. Die gesamte Machart des Films ist so ruhig und einfühlsam, dass das behandelte Thema nur noch schwerer wiegt.

Ich war sehr froh, auf der DVD noch Extras zu finden, wo die Darsteller und auch die Regisseurin den Film kommentieren, denn wie Keira Knightley bemerkt, ist es wirklich so, dass man nach dem Film sofort darüber reden will und in Diskussionen verfällt, ob es schlimmer ist, jemand anderen vielleicht mehr zu lieben, aber mit dem Ehemann zusammen zu bleiben, oder ob körperliches Fremdgehen, obwohl man den anderen wirklich liebt, das schlimmere Fremdgehen – falls es so etwas gibt – ist.

Der Film urteilt, wie gesagt, nicht, dennoch macht er deutlich, dass jegliche Art von Fremdgehen Folgen hat und vor allem die Person, die fremdgeht, mit einem schlechten Gefühl zurücklässt. Alle vier Hauptcharaktere sind sehr sympathisch dargestellt, weshalb man jedem von ihnen irgendwie verzeiht. Dennoch ging es mir so, dass ich die Figur „Michael“ am stärksten verurteilt habe – vermutlich vor allem deshalb, weil man ihm anmerkt, wie sehr er seine Frau liebt und man es daher von ihm am aller wenigsten erwartet.

Also: Holt euch diesen Film am besten auf DVD mit den extra Kommentaren. Es ist ein sehr ruhiger Film, der aber umso mehr zum Nachdenken anregt.