Gaisburger Marsch

Erstaunlich wenige wissen, dass das Eintopfgericht „Der Gaisburger Marsch“ aus Stuttgart kommt.
Gaisburg ist n√§mlich ein historischer Stadtteil des heutigen Stuttgart-Ost. Seit 1957 bilden das fr√ľhere Gaisburg, Berg, Gablenberg und Ostheim nun zusammen den Stadtbezirk Stuttgart-Ost.

Der Gaisburger Marsch ist der Inbegriff des schw√§bischen Gedankens, in dem nichts verkommt und alles verwertet wird – eine klassische Resteverwertung: Sp√§tzle, die √ľbrig sind, Kartoffeln und Karotten, die man noch hatte – alles wird mundgerecht in der Rinderbr√ľhe gekocht. Siedfleisch oder Rinderfleisch kommt auch noch dazu. Und am Ende noch frische Petersilie – fertig.

Ein toller Eintopf, der wärmt und nährt und sich fast von selbst macht, weil man eben wirklich nur EINEN Topf braucht:

Spätzle
Kartoffeln
Karotten
Siedfleisch
Petersilie
Rinderbr√ľhe

Spätzle

Der Schwab wird groß, durch Spätzle mit Soß!

Das Rezept:

  • 250g Sp√§tzlesmehl
  • 3 Eier
  • 1 TL Salz
  • etwas Wasser (max. 1/8 Liter)

Ich lasse die K√ľchenmaschine alles mit dem Knethaken verkneten, bis sie kaum mehr kann, denn der Teig ist wirklich sehr klebrig und z√§h. Zu guter Letzt schl√§gt man mit einem Holzkochl√∂ffel den Teig nochmal auf, d.h. man schl√§gt sozusagen Luft hinein, bis der Teig Blasen wirft – diese platzen dann immer wieder auf, wie bei einem Kaugummi.

Dann portionsweise durch die Spatzenmaschine in kochendes Salzwasser pressen.

Wenn die Spätzle hochkommen und oben schwimmen, kurz etwas schwimmen lassen und dann mit einer Schaumkelle abschöpfen und in heißem Salzwasser warm halten, bis der ganze Teig verarbeitet ist.

Entdeckungstour durchs Schwabenländle

Fremde Kulturen finde ich ja unglaublich spannend und interessant, aber was ist mir der eigenen? Nachdem ich ein älteres Kochbuch (1979 Sigloch Edition) gefunden hatte, ist mir aufgefallen, dass ich mit traditionell schwäbischen Gerichten aufgewachsen bin, ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein. Ich dachte immer, so kocht halt meine Mutter. Sie hat da nie ein großes Aufhebens daraus gemacht.

Meine Schwiegermutter hingegen h√§lt die th√ľringischen Traditionen sehr hoch – da gibt es freitags Bratw√ľrste und Sonntags Kl√∂√üe und in der DDR war ja eh alles besser und was man da mit den wenigen Zutaten kochen konnte, war ja ein Gedicht – wie beispielsweise die, wie ich meine, f√ľr den Rest von Deutschland recht ern√ľchternde Variante eines J√§gerschnitzels. In Th√ľringen ist das n√§mlich eine Scheibe J√§gerWURST, die paniert und gebraten wird. Not macht offenbar erfinderisch.

Wie dem auch sei. Ich bin zum Entschluss gekommen, dass man – gerade f√ľr die, die nicht hier im sch√∂nen Baden-W√ľrttemberg und speziell im Schwabenl√§ndle aufgewachsen sind, aber auch f√ľr die Schwaben, die sich vielleicht ihrer Kultur gar nicht mehr so bewusst sind – die schw√§bischen Traditionen und kulturellen Besonderheiten sichtbar machen sollte. Es gibt eine fast unersch√∂pfliche F√ľlle an tollen Gerichten, zauberhaften Orten, Schrulligkeiten, witzigen Meinungen und Debatten, sodass ich beinahe gar nicht wei√ü, wann diese Reihe je enden sollte.

Oft ist die Bescheidenheit der Schwaben daf√ľr verantwortlich, dass manche Besonderheiten gar nicht so zur Geltung kommen. Wer nennt schon eines der gr√∂√üten L√§nder Deutschlands „L√§ndle“?
Mir f√§llt das immer wieder auf, dass es oft auch sprachliche Unterschiede gibt und hier meine ich nicht den Dialekt. So zB bei Freunden meines Mannes aus Th√ľringen und ihren „Oldtimern“.

Ich habe mir darunter nat√ľrlich Nobelkarossen aus alten Zeiten vorgestellt, die man nur mit wei√üen Handschuhen anfassen darf und war dann halbwegs √ľberrascht, als ich vor ein paar verrosteten Autos gestanden habe, die kaum fahren konnten und noch repariert werden mussten – aber ja, sie waren alt …. Im Schwabenl√§ndle h√§tte man hierzu charmant Schrottkarren gesagt, aber in Th√ľringen waren das Oldtimer. Beide Beschreibungen sind Extreme, die ihre Schnittmenge bei „alte Autos“ haben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier wird es in den folgenden Wochen eine kleine Reihe geben, die da hei√üt „Entdeckungstour durchs Schwabenl√§ndle“. Auch ich entdecke in meiner Heimat immer wieder Neues und kenne nat√ľrlich l√§ngst nicht alles. Die Entdeckungstour durch Schwaben bietet also einen sehr pers√∂nlich gepr√§gten Einblick ins Schwabenl√§ndle. Und auch hier m√∂chte ich historisch gar nicht so √ľberkorrekt sein – sonst w√§re Schwaben deutlich s√ľdlicher orientiert, als es aus meiner Sicht heute ist. Das Schwabenl√§ndle ist f√ľr mich grob gesprochen Baden-W√ľrttemberg; an „The L√§nd“ habe ich mich noch nicht gew√∂hnt….

F√ľr etwas mehr Interaktion und Spa√ü, passiert das alles auch noch parallel dazu auf Instagram:

Wir läuten die Entdeckungstour ein mit dem Spruch:

Gottes größte Gabe 
ist und bleibt der Schwabe!